Kienerkissen unter neuer Führung: Zwei Jahre Mut, Wandel und Weitblick

Wenn zwei erfahrene Unternehmerinnen ein bestehendes Traditionsunternehmen übernehmen, prallen Welten aufeinander: Kreativität trifft Struktur, Mut trifft Erfahrung, Herz trifft Verantwortung. Seit zwei Jahren führen Kathrin Baumberger und Karin Bischoff die Kienerkissen® GmbH mit viel Gespür für Menschen, Produkte und Pflegebedürfnisse.

Was als spontane Gelegenheit begann, hat sich zu einer inspirierenden Geschichte über Unternehmensführung, Wandel und Nähe zur Zielgruppe entwickelt. Im Interview geben sie einen offenen, emotionalen und reflektierten Einblick in ihre Reise: von der spontanen Entscheidung bis zur strategischen Neuausrichtung.

Ein Gespräch über Herausforderungen, schlaflose Nächte, tiefes Vertrauen und den Wunsch, mit einfachen Mitteln echte Lebensqualität zu schaffen, für Pflegeeinrichtungen, Spitäler- und Rehakliniken , Familien und Privatpersonen in der ganzen Schweiz.

Zwischen Routine und Neuanfang

Ihr führt die Kienerkissen GmbH nun seit zwei Jahren. Ist inzwischen so etwas wie Alltag eingekehrt oder fühlt es sich noch immer wie ein Abenteuer an?

Karin Bischoff: Beides. Es gibt Tage, da läuft alles wie ein gut eingespieltes Uhrwerk. Und dann passiert wieder etwas, das uns aufrüttelt. Ein neues Produkt, eine Herausforderung, etwas Unerwartetes und plötzlich fühlt es sich wieder ganz neu an.

Kathrin Baumberger: Ja, und das Schöne ist, dass man in diesen Momenten spürt: Wir können das. Es ist nicht nur Routine, es ist auch viel Neugier, Ideenreichtum und dieses Gefühl, dass noch ganz viel möglich ist. Und ganz oft denkt man sich: Das müssten eigentlich mehr Leute wissen, was wir hier alles anbieten! Es ist immer noch ein Abenteuer. Zwar konnten wir von unserer Vorgängerin eine solide und weit über die Innerschweiz hinaus bekannt Firma übernehmen, jedoch hat Kienerkissen noch ein sehr viel grösseres Potential

Von der Bühne zur Pflege: Der etwas andere Weg zur Übernahme

Ihr führt seit über 15 Jahren gemeinsam die St. Galler Schneiderei «Die Manufaktur» . Wie kam es dazu, dass ihr 2023 zusätzlich Kienerkissen übernommen habt?

Kathrin Baumberger: Die Geschichte beginnt tatsächlich im Theater. Eine frühere Kollegin aus der Theaterbranche gab den ersten Impuls. Sie war an einer Messe tätig, wo sie zufällig auf die damalige Inhaberin von Kienerkissen, Bernadette Kiener, stiess. Diese suchte eine Nachfolgelösung und meine Kollegin dachte spontan an uns. 
Zunächst dachten wir: "Lagerungskissen? Ein Katalog voller Kissen-Produkte? Zu kompliziert, nichts für uns." Den wir hatten bis dahin ja noch keine Berührungspunkte mit der Pflege! Doch es hat uns nicht losgelassen. Und wenn man über etwas nicht aufhören kann nachzudenken, hat das meist einen Grund.

Karin Bischoff: Und dann haben wir uns die Firma und die Produkte, das Konzept dahinter genauer angeschaut. Die Produkte, die Abläufe und die Philosophie, das war nicht völlig fremd für uns. Wir kennen uns mit Nähen, Serienproduktion und Qualitätsarbeit aus. Was fehlte, war der Pflegebereich. Aber genau das machte es spannend. Es hat uns gepackt!

Synergien zwischen Damenschneiderei und Kissenproduktion

Also war es auch eine strategische Entscheidung?

Karin Bischoff: Ja, auf jeden Fall. In unserer Schneiderei ist die Auslastung saisonal schwankend. Hochzeiten von Frühling bis Herbst, danach wird es ruhiger. Kienerkissen erlaubt uns, diese Kapazitäten ganzjährig zu nutzen und unsere Mitarbeiterinnen besser auszulasten.

Kathrin Baumberger: Und es ist ein Produkt, welches man vorproduzieren kann. In der Schneiderei ist alles Einzelanfertigung, jedes Stück ein Unikat. Kienerkissen dagegen ist planbar. Das gibt uns Luft.

Die Produktion von Kienerkissen ist genau Handarbeit.

Bei der Produktion von Kienerkissen ist exakte Handarbeit gefragt.

Corona, Online-Shop & ein Wink des Schicksals

War die Pandemie auch ein Faktor?

Karin Bischoff: Absolut. Während Corona haben wir in der Schneiderei tausende Stoffmasken produziert, schlicht um zu überleben. Das hat uns gezeigt, wie kraftvoll skalierbare Produkte sein können. Und genau das war bei Kienerkissen gegeben

Kathrin Baumberger: Dazu kam, dass bei Kienerkissen bereits ein funktionierender Online-Shop existierte. Das war wie ein Signal: Da ist Substanz und etwas an dem wir anknüpfen können. Das gab uns eine gewisse Sicherheit. 
Wir wollen, dass die Schweiz gut schläft, dass die Mamis entspannt ihre Babys stillen können, dass der Patient nach der Hüftoperation auch zuhause gut schlafen kann, und so weiter. Der Online-Shop ermöglicht den Privatpersonen einen schnellen und unkomplizierten Zugang zu unseren Produkten.

Ihr hattet keine Erfahrung im Pflegebereich. Wie seid ihr damit umgegangen?

Kathrin Baumberger: Wir wussten: Übernehmen wir diese Firma, brauchen wir Fachleute. Wir wissen nicht aus erster Hand, wie man Menschen korrekt lagert oder was was Dekubitusprophylaxe ist. Deshalb haben wir erfahrene Pflegefachpersonen in unseren Aussendienst eingestellt.

Karin Bischoff: Das ist essenziell. Wir reden mit, aber wir hören auch zu. Unsere Aufgabe ist es, die Qualität, Verarbeitung und Verfügbarkeit sicherzustellen. Die inhaltliche Expertise kommt von Menschen, die tagtäglich mit den Produkten arbeiten und Fachexperten in der Pflege sind.

Drei Worte für zwei Jahre – was bleibt hängen?

Wenn ihr die letzten Jahre in drei Worten beschreiben müsstet?

Kathrin Baumberger: Entspannend, spannend und …

Karin Bischoff: … herausfordernd! (lacht)

Kathrin Baumberger: Ja, absolut. Entspannend, weil es weniger Produktvielfalt gibt als in der Schneiderei. Spannend, weil wir etwas Neues gestalten durften. Und herausfordernd weil eine Firmenübernahme alles andere als ein Spaziergang ist.

Neue Führung = neues Denken? 

Hat sich die Unternehmenskultur mit euch verändert?

Kathrin Baumberger: Eine neue Leitung wirkt sich wahrscheinlich immer auf die Unternehmenskultur aus. Bernadette hat vieles allein gestemmt. Wir dagegen teilen Verantwortung, denken vernetzter. Wir haben die Möglichkeit, grösser zu denken. Bernadette hat eine fantastische Arbeit gemacht, viele sehr gute Kundenkontakte aufgebaut, welche wir weiter nutzen können.

Karin Bischoff: Wir produzieren z.B. mehr auf Lager. Wir denken nicht nur im Tagesgeschäft, sondern auch langfristig. Das erlaubt uns, schneller zu liefern und flexibler zu sein. Dadurch können wir grössere Aufträge in kurzer Zeit stemmen. Die kurzen Lieferzeiten sind uns wichtig.

Teamstruktur: Kontinuität & neue Dynamik

Gab es auch Veränderungen in der Teamstruktur?

Kathrin Baumberger: Im Kern ist das Team gleich gross gleichgeblieben. Einige frühere Mitarbeiterinnen sind in Pension gegangen. Claudia, eine ehr wertvolle Schneiderin welche in Heimarbeit die Kissen fertigt, ist uns erhalten geblieben. Wir haben neue Aussendienst-Mitarbeiterinnen eingestellt, welche in der ganzen Schweiz tätig sind und auch unsere beliebten Workshops durchführen. Hier war es uns wichtig, Fachpersonen einzustellen, die in der Pflege und mit unseren Kienerkissen-Produkten bereits  gearbeitet viele Jahre gearbeitet haben. Durch das Team von «Die Manufaktur» haben wir Ressourcen in der Produktion, auf welche wir zurückgreifen können in hektischen Zeiten.

Herausforderungen der Zukunft

Welche Themen werden euch in den nächsten Jahren beschäftigen?

Kathrin Baumberger: Die grossen Herausforderungen sind sicherlich die Einkaufsstrukturen bei Institutionen welche sich gerade verändern. Zusammenschlüsse, neue Ansprechpartner, neue interne Prozesse bei Institutionen. Das bedeutet für uns immer wieder neue Beziehungen aufzubauen das Vertrauen zu erarbeiten.

Karin Bischoff: Und Regulierungen welche unsere Produkte in der Zukunft betreffen könnten. Wir beobachten genau, was sich in der Gesundheitsbranche tut.

Zielgruppen & Wachstum: Zwischen Pflegeinstitutionen und Privatkunden

Bleibt der Fokus auf Instutionen?

Kathrin Baumberger: Ja, das ist unsere Hauptkundschaft. Aber der Privatbereich wächst, vor allem über den Online-Shop. Gerade im Mutter-Kind-Bereich, bei Schlafprodukten, Lagerungskissen, Nackenhilfen – da steckt enormes Potenzial.

Karin Bischoff: Und das Schöne: Es sind Produkte, die echten Mehrwert bringen. Die Lebensqualität verbessern. In einem sensiblen, manchmal verletzlichen Moment.

Mit Kienerkissen entspannt durch jeden Lebensabschnitt.

Mit Kienerkissen entspannt durch jeden Lebensabschnitt.

Innovation aus Stoff: Aktivierungsprodukte & kreative Ideen

Gibt es Produktentwicklungen, auf die ihr besonders stolz seid? 

Kathrin Baumberger: Ja, wir arbeiten gerade an Aktivierungsprodukten: Fühlwürfel mit Texturen, Stoffbälle aus Restenstoffen, Dinge, die die Sinne ansprechen. Gerade für demenzbetroffene Menschen ist das sehr wichtig. Da spielen unsere Stoffreste aus der Manufaktur perfekt mit rein. Ausserdem haben wir letztes Jahr den wärmeregulierenden Bezug Outlast für die Kissen ins Sortiment genommen. Dieser ist für die immer wärmeren Jahreszeiten sehr wertvoll, sowie auch während den Wechseljahren einer Frau perfekt einsetzbar.

Karin Bischoff: So können wir unsere Werte Nachhaltigkeit und Kreativität täglich ausleben und Synergien nutzen.

Motivation & Feedback

Was motiviert euch persönlich?

Kathrin Baumberger: Das ehrliche Feedback. Wenn Pflegepersonen sagen: "Wir arbeiten seit Jahren mit euren Kissen. Sie sind fantastisch." Dann wissen wir, dass unsere Arbeit einen Unterschied macht.

Karin Bischoff: Es geht um Lebensqualität. Wenn jemand besser schläft, weniger Schmerzen hat, sich wohler fühlt, dann war es das wert.

Fazit

Zwei Jahre, zwei Frauen, ein Weg voller Mut und Herz. Die Geschichte von Kienerkissen® GmbH unter neuer Führung ist nicht nur eine Unternehmensreise, sie ist ein Beispiel dafür, wie unternehmerische Verantwortung mit Empathie, Kreativität und Ausdauer zu nachhaltigem Erfolg führen kann.

Kienerkissen bleibt, was es immer war. Ein verlässlicher Partner in sensiblen Lebensphasen. Die Firma ist ein Symbol für moderne Unternehmensführung in der Schweizer Pflegewelt geworden: mit Mut zur Veränderung und einem offenen Ohr für die Menschen dahinter.


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